31.03.2020

Aktuelles

Ringschluss

Mais. In vielen Gemeinderäten klingen Diskussionen über die kommunale Wasserversorgung nicht selten so, als ginge es darum, den Teufel mit Weihwasser auszutreiben. Wobei die eigenen Quellen, die es unbedingt zu schützen und zu erhalten gilt, das Weihwasser sind – und der Teufel einen möglichen Anschluss ans Waldwasser darstellt.

Landrätin Rita Röhrl nennt dieses Imageproblem, mit dem Waldwasser offenkundig noch zu kämpfen hat, eine "Bauchgeschichte" mit historischen Ursachen, die in den Anfängen der Wasserversorgung Bayerischer Wald vor 60 Jahren liegen. Damals hätten die Menschen im Bayerwald vielfach eigene Quellen und Brunnen gehabt und das Fernwasser abgelehnt, das damals aus dem Bereich der Isarmündung kam.

100 Kommunen beziehen Fernwasser
Sie erzählt von ihrer Tante, die auch immer auf das gute Wasser aus dem eigenen Brunnen geschworen habe. "Nie wäre sie auf die Idee gekommen, dass vielleicht ein Zusammenhang zwischen dem düngenden Nachbarn, dem eigenen Brunnenwasser und dem akuten Durchfall bestehen könnte, unter dem sie manchmal litt."

Die Landrätin ist stellvertretende Verbandsvorsitzende des Zweckverbands Wasserversorgung Bayerischer Wald (WBW). Dieser versorgt über die 1983 erbaute Trinkwassertalsperre Frauenau und insgesamt 850 Kilometer lange Wasserleitungen Teile Niederbayerns und der Oberpfalz mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser. Rund 100 Gemeinden in sieben Landkreisen sind an die WBW angeschlossen. Das Wasser wird in der Trinkwasseraufbereitungsanlage (TWA) Flanitz, die inzwischen nach dem weitsichtigen Gründer des Verbands, dem ehemaligen Landrat Max Binder, benannt wurde, von natürlichen Schweb- und Schwimmstoffen gereinigt, ehe es in den angeschlossenen Haushalten als Trinkwasser aus dem Hahn sprudelt.

Anscheinend handelt es sich dabei wirklich nur um ein Imageproblem. Denn weder der Preis noch die Qualität des Wassers bieten einen Anlass oder gar eine stichhaltige Erklärung für die Ablehnung, mit der ein Anschluss ans Waldwasser teilweise in Kommunen oder in der Bevölkerung teils noch zu kämpfen hat.

Eine Erklärung könnte die Sorge sein, dass man sich mit dem Anschluss an die WBW einem Monopolisten ausliefern würde, der dann seine marktbeherrschende Stellung ausnutzen könnte. Fakt ist aber auch, dass es durch strengere Grenzwerte und zunehmende bürokratische Vorschriften immer schwieriger werden könnte, eigene Quellen zu schützen. Von den sinkenden Niederschlägen durch den Klimawandel ganz zu schweigen.

Auch beim Spatenstich für den Ringschluss zwischen Mais (Markt Bodenmais) und Arnbruck legte der Drachselsrieder Bürgermeister Hans Hutter Wert auf den Hinweis, dass damit für seine Gemeinde "Möglichkeiten zum Anschluss an das Leitungsnetz" von Waldwasser geschaffen würden, aber keinerlei Anschlusszwang entstehe.

Dieser Spatenstich wurde am Donnerstagvormittag offiziell vorgenommen. Ziel der Maßnahme ist es, durch den Leitungsbau zwischen Mais und Arnbruck einen Ringschluss im bestehenden Leitungsnetz zu schaffen, der die Versorgungssicherheit im nördlichen Versorgungsgebiet von Waldwasser deutlich verbessern würde. Bisher kann dieses Gebiet um die Städte Viechtach, Bad Kötzting und Cham ausschließlich über die Transportleitung von Gotteszell aus versorgt werden. "Damit kann dieses Gebiet künftig über zwei Zuleitungen versorgt werden", erklärt der Waldwasser-Werkleiter, Diplom-Ingenieur Hermann Gruber. Dies schaffe einen alternativen Versorgungsweg in das Gebiet nordöstlich der Donau und erhöhe so die Versorgungssicherheit. Wenn eine Trasse aus irgendwelchen Gründen ausfallen würde, wäre die Versorgung über die Alternativroute gewährleistet.

Zehn Kilometer Leitung von Mais bis Arnbruck
Die geplante Wasserleitung hat eine Länge von 10,35 Kilometern. Sie wird in offener Bauweise verlegt, wobei vier Straßendurchpressungen bewältigt werden müssen. Die dabei verlegten Gusseisenrohre haben einen Durchmesser von 40 Zentimetern. Durch diese können pro Stunde 450 Kubikmeter Wasser geleitet werden, pro Tag sind das 10800 Kubikmeter.

Daneben werden auch noch fünf Entlüfterschächte, je drei Entleerungsschächte und Abgabeschächte sowie ein Druckminderungsschacht in Arnbruck errichtet. Außerdem werden mit den Wasserrohren auch zugleich Schutzrohre für Steuerkabel mit verlegt.

Der Trassenverlauf für die Leitung orientiert sich überwiegend an der Staatsstraße 2132 und führt durch Oberried, Blachendorf und Exenbach nach Arnbruck. Beim Flugplatz Arnbruck quert sie den Bruckbach und schließt wenig später an das bestehende Wassernetz an.

Die Gesamtkosten sind derzeit mit 8,6 Millionen Euro veranschlagt. Das Bauvorhaben wurde europaweit ausgeschrieben. Aus allen Bewerbern wurden dann fünf geeignete Firmen ausgewählt und zur Abgabe eines Angebots aufgefordert. Den Zuschlag erhielt die Baufirma Josef Pfaffinger aus Passau.

Mit der Planung wurde das Büro S² Beratende Ingenieure Stelzenberger, Scholz und Partner aus Loiching bei Dingolfing beauftragt.

Die Arbeiten sollen in etwa einem Jahr abgeschlossen sein.

Quelle: PNP, Peter Spranger

 

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